Heizkörper entlüften und Energie sparen: Wenn deine Heizung gluckert, ungewöhnliche Geräusche macht oder nicht mehr richtig warm wird, kann Luft im Heizsystem die Ursache sein. Das Problem lässt sich oft innerhalb weniger Minuten selbst beheben – ganz ohne teuren Handwerker.
Gerade zu Beginn der Heizperiode lohnt sich ein Blick auf die Heizkörper. Denn eingeschlossene Luft verhindert, dass das Heizungswasser überall richtig zirkulieren kann. Die Folge: Manche Bereiche bleiben kalt, obwohl das Thermostat bereits aufgedreht ist.
In dieser Anleitung erfährst du, wie du deine Heizkörper richtig entlüftest, welche Fehler du vermeiden solltest und mit welchen zusätzlichen Maßnahmen du deine Heizkosten senken kannst.
1. Warum muss man Heizkörper entlüften?
In einer wassergeführten Heizungsanlage transportiert warmes Wasser die Wärme vom Heizkessel beziehungsweise Wärmeerzeuger zu den einzelnen Heizkörpern.
Normalerweise zirkuliert dieses Wasser in einem geschlossenen System.
Mit der Zeit kann jedoch Luft in die Anlage gelangen, beispielsweise nach Wartungsarbeiten, durch Nachfüllen von Heizungswasser oder infolge technischer Probleme.
Luft sammelt sich häufig im oberen Bereich eines Heizkörpers.
Dort verdrängt sie das Heizungswasser. Dadurch wird ein Teil des Heizkörpers nicht ausreichend warm.
Typische Folgen sind:
- Gluckernde oder plätschernde Geräusche
- Heizkörper oben kalt und unten warm
- Ungleichmäßige Wärmeverteilung
- Räume erreichen die gewünschte Temperatur nicht
- Möglicherweise erhöhter Energiebedarf
Durch das Entlüften kann das Heizungswasser wieder besser durch den Heizkörper strömen.
2. Woran erkennt man Luft im Heizkörper?
Nicht jeder kalte Heizkörper muss entlüftet werden.
Besonders typisch für eingeschlossene Luft ist, wenn der obere Bereich kalt bleibt, während der untere Teil warm wird.
Auch deutlich hörbare Gluckergeräusche sind ein Hinweis.
Anders sieht es aus, wenn der Heizkörper oben warm und unten kühler ist.
Ein solcher Temperaturunterschied kann völlig normal sein, weil das Heizungswasser beim Durchströmen Wärme an den Raum abgibt.
Bleibt dagegen der gesamte Heizkörper kalt, können ein klemmendes Thermostatventil, zu geringer Anlagendruck oder eine Störung der Wärmeversorgung verantwortlich sein.
3. Welche Werkzeuge werden benötigt?
Für die Entlüftung brauchst du normalerweise nur wenige Dinge:
- Heizkörper-Entlüftungsschlüssel
- Kleine Schüssel oder Becher
- Altes Handtuch oder Putzlappen
- Optional Schutzhandschuhe
- Gegebenenfalls Taschenlampe
Ein einfacher Entlüftungsschlüssel ist in nahezu jedem Baumarkt erhältlich.
Bei manchen Heizkörpern lässt sich das Ventil mit einem geeigneten Schraubendreher öffnen. Entscheidend ist die vorhandene Ventilausführung.
Verwende keine ungeeignete Zange, wenn dadurch der Ventilkopf beschädigt werden könnte.
4. Schritt 1: Heizkörper und Thermostate vorbereiten
Drehe zunächst die Thermostatventile der Heizkörper vollständig auf, meistens auf Stufe 5.
Dadurch werden die Thermostatventile weit geöffnet.
Wenn du ein eigenes Heizsystem besitzt und die Umwälzpumpe sicher bedienen kannst, schalte sie nach Herstellervorgabe vor dem Entlüften ab.
Warte anschließend ungefähr 30 bis 60 Minuten.
In dieser Zeit kann sich die Luft im oberen Bereich der Heizkörper sammeln.
Wichtig: In einer Mietwohnung mit Zentralheizung hast du meistens keinen Zugriff auf die Umwälzpumpe. In diesem Fall kannst du die Heizkörper normalerweise auch ohne Abschalten der Pumpe entlüften.
Lasse sehr heiße Heizkörper vorher ausreichend abkühlen, damit du dich nicht am austretenden Heizungswasser verbrühst.
5. Schritt 2: Entlüftungsventil finden
Das Entlüftungsventil befindet sich bei vielen Heizkörpern oben an einer Seite, häufig gegenüber dem Thermostat.
Meist erkennst du es an einem kleinen Vierkantstift in der Mitte einer Ventilverschraubung.
Manchmal besitzt das Ventil eine kleine seitliche Öffnung, aus der später Luft und Wasser austreten.
Lege ein Handtuch unter das Ventil und halte die Schüssel direkt unter die Austrittsöffnung.
Heizungswasser kann dunkel verfärbt sein und Flecken auf Wand, Boden oder Möbeln hinterlassen.
6. Schritt 3: Entlüftungsventil langsam öffnen
Setze den Entlüftungsschlüssel auf den Vierkant.
Drehe ihn langsam gegen den Uhrzeigersinn.
Normalerweise reicht bereits eine kleine Drehung, häufig ungefähr eine Viertel- bis halbe Umdrehung.
Wenn Luft im Heizkörper eingeschlossen ist, hörst du ein deutliches Zischen.
Das ist ein gutes Zeichen: Die angesammelte Luft kann nun entweichen.
Achtung: Drehe das Ventil niemals vollständig heraus. Es kann unter Druck stehendes heißes Wasser austreten.
Halte deine Hände und dein Gesicht nicht direkt vor die Öffnung.
7. Schritt 4: Warten, bis Wasser austritt
Lasse die Luft kontrolliert entweichen.
Anfangs hörst du möglicherweise ein Zischen oder bemerkst einen unregelmäßigen Luft-Wasser-Austritt.
Nach kurzer Zeit sollte ein gleichmäßiger Wasserstrahl beziehungsweise ein kontinuierlicher Wasseraustritt folgen.
Das bedeutet normalerweise, dass die Luft aus diesem Heizkörper weitgehend entwichen ist.
Schließe das Ventil anschließend sofort wieder.
Drehe es vorsichtig im Uhrzeigersinn zu.
Es muss dicht schließen, darf aber nicht übermäßig fest angezogen werden.
Trockne die Umgebung mit einem Tuch ab.
8. Schritt 5: Weitere Heizkörper entlüften
Wenn du mehrere Heizkörper hast, solltest du sie systematisch kontrollieren.
In einem mehrstöckigen Haus kannst du beispielsweise im unteren Geschoss beginnen und dich anschließend nach oben arbeiten.
Häufig sammelt sich besonders in höher gelegenen Heizkörpern Luft.
Entscheidend ist jedoch, dass du alle auffälligen Heizkörper überprüfst.
Entlüfte jeden Heizkörper nach demselben Prinzip.
Wenn an einem Heizkörper sofort Wasser austritt, befindet sich dort wahrscheinlich keine nennenswerte Luftansammlung.
Du musst dann nicht unnötig weiteres Heizungswasser ablassen.
9. Schritt 6: Wasserdruck der Heizung kontrollieren
Dieser Schritt wird häufig vergessen.
Beim Entlüften entweicht neben der Luft immer auch eine kleine Menge Heizungswasser.
Dadurch kann der Druck im Heizsystem sinken.
Wenn du eine eigene Heizungsanlage besitzt, kontrolliere deshalb anschließend die Druckanzeige am Wärmeerzeuger.
Der erforderliche Druck hängt unter anderem von Gebäudehöhe und Anlagenaufbau ab.
In vielen Einfamilienhäusern liegen typische Betriebsdrücke ungefähr zwischen 1,2 und 2,0 bar. Das ist jedoch kein allgemeingültiger Sollwert.
Maßgeblich sind die Vorgaben des Heizungsherstellers und die Einstellung deiner Anlage.
Liegt der Druck unter dem vorgeschriebenen Mindestwert, muss die Anlage gegebenenfalls fachgerecht nachgefüllt werden.
Wichtig: Fülle nicht einfach Leitungswasser nach. Je nach Heizungsanlage gelten besondere Anforderungen an das Füllwasser und die Nachfülleinrichtung.
Als Mieter solltest du bei einem vermuteten Druckproblem die Hausverwaltung oder den Vermieter informieren.
10. Schritt 7: Heizung wieder einschalten und testen
Wenn alle Heizkörper entlüftet sind, kannst du die Umwälzpumpe beziehungsweise den Heizbetrieb wieder aktivieren, sofern du ihn zuvor abgeschaltet hast.
Stelle anschließend die Thermostate auf die gewünschte Raumtemperatur ein.
Warte, bis die Heizkörper wieder ausreichend warm geworden sind.
Prüfe nun:
- Sind die Gluckergeräusche verschwunden?
- Wird der zuvor kalte Bereich wieder warm?
- Erreicht der Raum die gewünschte Temperatur?
- Bleiben die Entlüftungsventile dicht?
- Liegt der Anlagendruck im vorgesehenen Bereich?
Wenn alles normal funktioniert, war die Entlüftung erfolgreich.
11. Was tun, wenn beim Entlüften kein Wasser kommt?
Öffnest du das Ventil und es tritt weder Luft noch Wasser aus, könnte der Anlagendruck zu niedrig sein.
Auch ein verstopftes oder beschädigtes Entlüftungsventil kommt infrage.
Versuche nicht, das Ventil mit Gewalt weiter aufzudrehen oder vollständig auszubauen.
Prüfe bei einer eigenen Heizungsanlage zunächst den Systemdruck.
Wenn du dir unsicher bist, solltest du einen Heizungsfachbetrieb kontaktieren.
12. Heizkörper bleibt trotz Entlüftung kalt – mögliche Ursachen
Wenn der Heizkörper nach dem Entlüften weiterhin nicht richtig warm wird, muss die Ursache an anderer Stelle liegen.
Thermostatventil klemmt
Nach einer längeren Sommerpause kann der Ventilstift eines Heizkörperthermostats festsitzen.
Das Heizungswasser kann dann nicht ausreichend durchströmen.
Bei geeigneten Thermostatventilen lässt sich der Thermostatkopf abnehmen, um den Ventilstift zu kontrollieren.
Das eigentliche wasserführende Ventil darf dabei nicht geöffnet oder abgeschraubt werden.
Wasserdruck zu niedrig
Ein zu niedriger Druck kann dazu führen, dass höher gelegene Heizkörper nicht ausreichend mit Wasser versorgt werden.
Hydraulischer Abgleich fehlt
Werden manche Räume sehr schnell warm, während andere dauerhaft kalt bleiben, kann die Heizungsanlage hydraulisch schlecht eingestellt sein.
Ein Heizungsfachbetrieb kann überprüfen, ob der Wasserdurchfluss angepasst werden muss.
Umwälzpumpe funktioniert nicht richtig
Auch eine fehlerhafte oder ungeeignet eingestellte Umwälzpumpe kann die Wärmeverteilung beeinträchtigen.
13. Wie viel Energie spart das Entlüften wirklich?
Durch das Entlüften wird nicht automatisch eine bestimmte Menge Heizenergie eingespart.
Die tatsächliche Ersparnis hängt davon ab, wie viel Luft sich im System befand und wie stark die Heizleistung zuvor beeinträchtigt war.
Bei einem stark beeinträchtigten Heizkörper kann eine Entlüftung die Wärmeverteilung deutlich verbessern.
War vorher gar keine Luft vorhanden, entsteht dadurch praktisch keine Energieersparnis.
Deshalb solltest du pauschale Versprechen wie „15 Prozent Heizkosten sparen durch einmaliges Entlüften“ kritisch betrachten.
Die Entlüftung ist vor allem eine einfache Wartungsmaßnahme, die eine ordnungsgemäße Wärmeübertragung wiederherstellen kann.
14. Zusätzliche Tipps zum Heizkosten sparen
Neben dem Entlüften gibt es weitere Maßnahmen, mit denen du deinen Energieverbrauch beeinflussen kannst.
Raumtemperatur bewusst einstellen
Schon eine um ein Grad niedrigere Raumtemperatur kann den Heizenergieverbrauch unter geeigneten Bedingungen um ungefähr sechs Prozent reduzieren.
Allerdings sollten Räume nicht so stark auskühlen, dass Feuchtigkeit und Schimmel entstehen.
Thermostate richtig verwenden
Bei vielen klassischen Thermostaten entspricht Stufe 3 ungefähr 20 °C.
Stufe 5 heizt einen Raum nicht automatisch schneller auf, sondern stellt eine höhere Zieltemperatur ein.
Heizkörper freihalten
Große Möbelstücke oder schwere Vorhänge direkt vor Heizkörpern behindern die Wärmeabgabe und können die Temperaturregelung verfälschen.
Stoßlüften statt Fenster dauerhaft kippen
Öffne die Fenster lieber kurz und vollständig, statt sie über Stunden gekippt zu lassen.
Drehe während des Lüftens die Heizkörperthermostate herunter.
Heizzeiten anpassen
Bei längerer Abwesenheit kann eine moderate Temperaturabsenkung sinnvoll sein.
Eine vollständige Auskühlung der Räume solltest du vermeiden.
15. Für welche Heizkörper funktioniert diese Anleitung?
Die Anleitung eignet sich grundsätzlich für viele wassergeführte Heizkörper mit manuellem Entlüftungsventil.
Dazu gehören beispielsweise:
- Kermi Flachheizkörper
- Purmo Plattenheizkörper
- Buderus Heizkörper
- Viessmann Heizkörper
- Zehnder Design- und Badheizkörper
- Ältere Rippen- und Gliederheizkörper mit Entlüftungsventil
Auch bei Heizkörpern mit Thermostatventilen von Heimeier, Danfoss oder Oventrop ist die Vorgehensweise grundsätzlich ähnlich.
Nicht direkt geeignet ist diese Anleitung für elektrische Heizkörper, Nachtspeicherheizungen oder Fußbodenheizungen.
Bei Anlagen mit automatischen Entlüftern können andere Wartungsschritte erforderlich sein.
16. Wie oft sollte man Heizkörper entlüften?
Eine Kontrolle zu Beginn der Heizperiode ist sinnvoll.
Eine tatsächliche Entlüftung ist vor allem dann notwendig, wenn Gluckergeräusche auftreten oder Heizkörper ungleichmäßig warm werden.
Wenn du alle paar Wochen erneut Luft ablassen musst, solltest du die Ursache untersuchen lassen.
Wiederkehrende Luftansammlungen können beispielsweise auf Druckprobleme, Undichtigkeiten oder technische Störungen hinweisen.
Fazit: Heizkörper richtig entlüften und effizienter heizen
Das Entlüften von Heizkörpern gehört zu den einfachsten Wartungsarbeiten im Haushalt.
Mit einem Entlüftungsschlüssel, einem kleinen Gefäß und wenigen Minuten Zeit kannst du eingeschlossene Luft aus einem Heizkörper entfernen.
Dadurch kann sich die Wärme wieder gleichmäßiger verteilen und die Heizungsanlage effizienter arbeiten.
Besonders wichtig sind das vorsichtige Öffnen des Ventils, die Kontrolle des Wasserdrucks und die anschließende Funktionsprüfung.
Mein Tipp: Kontrolliere deine Heizkörper am Anfang jeder Heizperiode. Werden sie gleichmäßig warm und machen keine Geräusche, musst du sie nicht vorsorglich entlüften. So vermeidest du unnötigen Wasserverlust und erkennst echte Probleme schneller.
